Die Philosophie der Malakademie

 

Das was landläufig als Kultur bezeichnet wird, ist gleichzeitig Mittel gesellschaftlicher Regulierung. Sie dient dem Erhalt gesellschaftlicher Konventionen und wirtschaftlicher Werte. Man kann auch sagen sie dient dem Machterhalt der Schichten. Die sogenannten freien Künste sind hierin eingeschlossen, denn sowohl die Ausübenden mit ihren Vernetzungen, als auch die gesellschaftlich situierten Rezipienten sind größtenteils am Systemerhalt interessiert. Wäre die freie Kunst wirklich frei, könnte sie ein vielfach größeres Wirkungsspektrum vorweisen, als dies der Fall ist. Die strategischen Mittel um kreative Bildung und Entfaltung in der Gesellschaft zu vermeiden und damit Unruhen, lassen sich zusammenfassen: 

 

-Anerkennung eines Wertesystems in der Kunst, das sich wirtschaftlichen Interessen weitgehend unterordnet. Dadurch ist jedes Kunstwerk schlichtweg nicht mehr als ein Wertpapier. In direkter Weise bestimmt der Kunstmarkt was Kunst ist - Irgendein Bild hat unabhängig von seiner Qualität per se fast keinen Wert.

 

-Kunst soll nicht deutbar sein, d.h. sie sollte auch nichts sagen und das Sprechen Galeristen und Kuratoren überlassen. Sie sollte nicht zu dekorativ auffallen, um den Verdacht nicht aufkommen zu lassen, es handele sich nur um reine Oberfläche. 

 

-Bildendes Vermögen sollte nicht erlernt werden, da sonst eine Verschulung oder ein Manierismus drohe. Jeder sollte selbst zu seinem Stil finden und im inkludierten Schulsystem besteht Konsens darin jede/r könne natürlich malen. Damit wird vermieden, dass Zeichnen überhaupt erlernt wird oder als Qualität anerkannt wird.

 

-Akzeptieren von voreingenommen Autoritäten, die darüber bestimmen was Kunst ist und was nicht. Über Medien werden deren Urteile verbreitet und größtenteils unreflektiert von der Bevölkerung übernommen. Hierbei spielt vor allem der ominöse Begriff der Berühmtheit also Bekanntheit die größte Rolle. Hierüber schließt sich ein Kreis von Abhängigkeiten.

 

-Beschränkung auf den kleinsten gemeinsamen Nenner. Dogmen und Glaubenssätze die Vielfalt und kreative Freiräume von vornherein behindern anstatt inhaltliche Hilfestellungen zu geben um ästhetische, funktionale oder subjektive Entscheidungen zu treffen. 

 

Nach dieser Zusammenfassung wird deutlich, dass es im Grunde nicht um das Werk oder die Idee oder mögliche Veränderungen, die dadurch freigelegt werden, geht. Unter der Verzerrung von Kultur und Kunst leidet fast seit jeher die gesamte Gesellschaft und deren soziale Entwicklung und man kann sagen, verantwortlich daran sind Wortführer und Gläubige. 

Dabei ist es schon traurig genug, dass wir an dieser Stelle soweit ausholen müssen. Aber gesellschaftliche Vorgaben bestimmen oft und vor allem eben auch das was wir lernen und lernen sollen. 

 

Warum Malen und Zeichnen kein zu erlernendes Handwerk ist?

Zunächst verlangt etwas das alle können, aber nur sehr wenige beherrschen, nach messbaren Größen.

Dabei weisen Bilder von Kindern häufig mehr Fantasie und Qualität auf, als die Bilder von vielen Erwachsenen. Umso deutlicher und erschütternder wird dieser Eindruck nach einigen Stunden Studium. 

Obwohl der menschliche Sehsinn hervorragend ausgeprägt ist, Und über 90 % unserer Sinneseindrücke daher kommen, haben über 90 % der Erwachsenen hier weder bewusst Sehen, noch Malen oder Zeichnen gelernt. Es wird allgemein als selbstverständlich angesehen, dass man das nicht kann.

Verschafft das jenen einen Vorteil, die es können?

 

Was für einen Vorteil?... Vielleicht anderen die Augen öffnen, über den Tellerrand blicken, in die Zukunft schauen, Durchblicken, den Augenblick festhalten...

 

Aber auch das Hinsehen, das Rezipieren muss häufig noch gelernt werden. Wer seine Sprache erlernt, erlangt das Handwerkszeug, um diese hinterher zu benutzen und Gedanken damit auszudrücken, kann aber möglicherweise noch keine hinreißende Prosa schreiben.

Wer das Klavierspielen beherrscht inklusive der richtigen Handhaltung und Noten lesen kann, der ist in der Lage Stücke nach Vorlage zu spielen und beherrscht nach allgemeinem Verständnis das Instrument, kann aber noch lange keine Melodien komponieren, bei denen Liebhabern das Herz aufgeht.

Wer eine Küche hat, der kann darin kochen. Aber wer gelernt hat ein Kochbuch zu lesen, kann noch lange keine eigenen Gerichte komponieren bei denen Genießern das Wasser im Mund zusammen läuft.

Genauso ist es beim Gestalten. Sehen, Malen und Zeichnen lernen ist nur der Anfang und die Voraussetzung für Qualität. 
Und nur Qualität hat Zukunft.


Aus dem Kursplan der Malakademie